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Kristel Kane: Die freche Französin

Flache Unterhaltung mit anbiedernd erotischem Vokabular: viel Sex und ein bisschen Spanking.

✦✦✧✧✧ Eine Austauschschülerin verhält sich schamlos und wird gezüchtigt, was zu einer erregenden Erfahrung für alle Beteiligten wird. Soweit der Klappentext zu »Die freche Französin« von Kristel Kane. Inhaltlich ist hinter dem Buchdeckel mit dem befremdlich fotomontierten Mädchen tatsächlich einiges los; hier eine Übersicht der Kapitel: (Wer Angst vor Spoilern hat, liest bitte nach der Aufzählung weiter – allerdings dürfte sie bei dieser Art von Erzählung relativ unbegründet sein …)

  1. Gastmutter Claudia Goldau beschwert sich über ihr aufsässiges französisches Au-pair-Mädchen Aurora und erhält von deren Mutter eine Züchtigungserlaubnis. Anschließend verliert sie sich spontan in eine Bestrafungsfantasie und gibt sich einer Selbstbefriedigung hin.
  2. Aurora (18, verdorben) und ihre Freundin Vanessa (15, bislang unschuldig) sitzen mit gestohlenem Alkohol im Park und lernen vier Typen kennen. Aurora hat mit drei von ihnen spontan hemmungslosen Gruppensex am See, während sich Vanessa mit Kevin, dem vierten Mann, vom Ort des Geschehens entfernt.
  3. Vanessa ruft die Polizei.
  4. Die Polizei trifft ein, während Aurora gerade onaniert; einer der Polizisten ist just Auroras Gastvater Oliver Goldau.
  5. Kevin gaukelt Vanessa seine Liebe vor und entjungfert sie auf einer Waldlichtung. Anschließend sagt er: »Ich habe bekommen, was ich wollte, und jetzt ist nichts mehr für mich drin. Ich habe kein weiteres Interesse mehr an dir.« Vanessa bleibt allein zurück.
  6. Aurora wird im Hause Goldau einem Strafkomitee vorgeführt.
  7. Aurora bekommt mit Hand, Gürtel und Rohrstock den nackten Hintern versohlt.
  8. Claudia Goldau ist angesichts der Züchtigung außer sich vor Erregung und hat sofort Sex mit Oliver; dabei lässt sie sich ein paar Schläge mit dem Rohrstock verabreichen.
  9. Aurora hat den Sex ihrer Gasteltern heimlich gefilmt, anschließend schläft sie mit Vanessa.
  10. Vanessa gesteht Aurora, dass sie es war, die ihre Freundin an die Polizei verraten hat – aus Liebe und Eifersucht. Daraufhin versohlt ihr Aurora spielerisch den Hintern mit Hand und Haarbürste, was beide Mädchen genießen. Vanessa (jetzt nicht mehr unschuldig) entpuppt sich schließlich als »eine Virtuosin auf dem Gebiet des Oralsex«.
  11. Oliver guckt durchs Schlüsselloch.
  12. Claudia guckt ebenso durchs Schlüsselloch. Anschließend sind beide so erregt, »dass sie ihre Lust in einem Quicky befriedigen [müssen]«.
  13. Es stellt sich heraus, dass Aurora doch »nicht so wild [ist], wie sie vorgegeben hatte. Im Gegenteil, sie [ist] ein sanfter Mensch und sie [hat] eingesehen, dass sie nichts verpass[t], wenn sie sich so [gibt], wie sie [ist].« Die freche Französin ist also geläutert, übergibt die DVD mit dem heimlich gefilmten Video an ihre Gasteltern und beide sind am Ende »gleichsam gerührt«.

Die Übersicht zeigt: Sex ist das primäre Thema in diesem Buch – in rekordverdächtigen sieben der 13 Kapitel hat jemand Sex, meiner Zählung nach kommen die Protagonisten dabei auf stolze 14 Orgasmen. Mein Respekt für die Kreativität, einen Plot zu entwerfen, der so viel Sex auf so wenigen Seiten unterbringt, ohne zur Kurzgeschichtensammlung zu zerfallen.

Spanking-Szenen sind nicht nur dünner gesät, ihnen fehlt es vor allem an emotionaler Tiefe, auch wenn sie im Großen und Ganzen ganz nett erzählt werden. Trotzdem hätte ich gerne gewusst, warum etwa Vanessa Gefallen daran findet, von ihrer Freundin Schläge auf den Po zu bekommen.

Doch auch die Psychologie der Sexszenen erscheint mitunter sehr flach und einseitig – am deutlichsten wird das, als Kevin mit Vanessa schläft und sie anschließend wie ein benutztes Objekt wegwirft. Inwiefern diese Facette der Handlung eine Bereicherung für die Geschichte sein soll, blieb mir unklar. Ich persönlich finde diesen Abschnitt schlicht traurig. Und überhaupt: Warum eigentlich ist Vanessa erst 15? Ein 15-jähriges Mädchen (wenn auch erfunden) würde in einem Buch dieser Art seitens des Autors bzw. der Autorin allein aufgrund des Alters meiner Meinung nach deutlich mehr Schutz verdienen. Oder am besten gar nicht mitspielen.

Doch hätte die Autorin Vanessa volljährig sein lassen, frauenfeindliche Charaktere wie Kevin ausgespart und sich stattdessen auf die Vertiefung in die Hintergründe der Spanking-Szenen konzentriert, wäre es dann ein gutes Buch geworden?

Ich fürchte leider: eher nein. Und verantwortlich dafür ist der Sprachstil, der mich leider zu oft innerlich aufschreien ließ. Denn das vermeintlich erotische Breitbandvokabular, das hier zum Einsatz kommt, ist zwar angenehmerweise kaum schmutzig oder derb, würde aber trotzdem so ziemlich jeder Geschichte rasch den Garaus machen. So kommen die Protagonisten ständig in einem »scharfen Akt« »auf Touren«, räkeln sich »wollüstig«, lecken sich die »feuchte Mitte« und haben schließlich einen »Megaorgasmus«.

Nicht einmal vor dem Niveau folgender Sätze machten Autorin und Lektorat Halt:

»[Er war] scharf wie eine Rasierklinge.« (5. Kapitel)

»Das geile Luder verstand, ihn geschickt anzumachen.« (8. Kapitel)

»Auroras Zunge leckte über ihre Perle und schmeckte die Geilheit der Gespielin.« (9. Kapitel)

Viel ist der billigen Wucht dieser Zitate nicht hinzuzufügen. Zwischen Schulaufsatzdeutsch und Sexszene entwickelt sich ein sprachlicher Kontrast, der mich schaudern ließ.

Insgesamt also ein eher flaches, stark komprimiertes und konstruiertes Sexbüchlein, in dem die Zärtlichkeit zu kurz kommt und das für den Neugierigen in Sachen Spanking relativ wenig zu bieten hat. Dafür erzählte mir Kristel Kane oft mehr, als ich persönlich eigentlich wissen wollte. Denn wie heißt es tatsächlich wortwörtlich im zweiten Kapitel: »Szenen wie diese passierten nur in Pornofilmen«. Leider ist da vermutlich was dran.

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H. R. Gérard: Bittersüße Züchtigungen

Eine Stecknadel im Heuhaufen der Spanking-Literatur: sensibel und respektvoll.

✦✦✦✦✦ Seitdem mit der Verbreitung von E-Readern Nischenautoren ihre Texte einfacher veröffentlichen können, gibt es auch relativ viel Digitalliteratur zum Thema Spanking. Darunter auch »Bittersüße Züchtigungen« von H. R. Gérard, laut Klappentext eine Spanking-Geschichte in der Kulisse eines Mädcheninternats. Wie das wohl aussehen mag?! Eine kleine Prognose vorab:

  1. Sie hatte im Affekt ihre Lehrerin beschimpft. Sie wusste, dass dies eine harte Bestrafung durch den Direktor zur Folge hatte.
  2. Sie heulte laut, während die Peitsche immer wieder mit lautem Klatschen auf ihren zarten Po niedersauste und diesen zum Glühen brachte.
  3. Plötzlich sah sie die Erregung im Blick des Direktors und fühlte, wie sich ihr Schmerz mit Lust mischte. Sie rief »Fick mich!« und bla bla bla.

Eine Erzählung auf etwa diesem Niveau erwartete ich, als ich mit der Lektüre begann – denn in aller Regel beschränken sich sowohl Handlungstiefe als auch Ausdrucksqualität derartiger Werke ja eher auf ein Minimum. Und angesichts des billigen Covers und des beliebigen Titels ging ich davon aus, eine weitere flache Story zu lesen, in der der böse Direktor dem frechen Schulmädchen ordentlich den Hintern versohlt.

Doch dieser Text bleibt nicht in den engen Grenzen dieses oberflächlichen Klischees. Zwar sind alle drei oben genannten Punkte natürlich Teil der Handlung – doch gleichzeitig passiert etwas für dieses Genre Erstaunliches: Der Autor füllt die handelnden (also prügelnden und geprügelten) Personen mit Leben. Und so werden aus dem Objekt des bösen, strafenden Direktors und dem Objekt der frechen, gedemütigten Schülerin tatsächlich Menschen mit differenzierten Gedanken und plausiblen Gefühlen.

Durch die Beleuchtung beider Perspektiven sowie durch die Einbeziehung von Randpersonen und Exkursen entfalten die Schülerin und der Direktor gleichermaßen emotionale Tiefe und Schärfe:

In der Ausgangssituation möchte die Protagonistin nicht bestraft werden und wehrt sich dagegen, während der Strafe spürt sie aber, dass sie die Schläge und die Situation erregen. Soweit das Handlungsmuster – bemerkenswert aber sind die Worte, mit denen der Autor beschreibt, warum sie so fühlt:

»Die Fesseln an ihren Händen hatten etwas Tröstliches. Sie würde nicht mehr versuchen müssen, sich zu beherrschen, sie war nun ganz und gar wehrlos. Es gab nichts mehr zu denken, nichts mehr zu entscheiden.«

»Sie sah seine Augen, die wachsam waren, die Klarheit ausstrahlten, und als sich ihre Blicke trafen, da sah sie es genau … Er würde sie nicht verletzen! Er tat ihr weh, doch er achtete auf sie. Er führte sie an ihre Grenzen, doch nicht darüber hinweg.«

»Sie konnte ihm vertrauen, […] so verletzlich ausgebreitet liegend auf ihrem Bett war sie sicher. Er achtete ihr Wesen. Sie war kein Etwas, […] sie war eine junge hübsche Frau, und er respektierte sie, ihre Gefühle, ihre Weiblichkeit, ihre Verletzlichkeit.«

Die in diesen Zitaten anklingende Rolle des Direktors wird im zweiten Teil des Romans noch deutlicher. So wird auch er behutsam gezeichnet und ist eben nicht der flache Schläger mit dem Motto: »Yay, heute darf ich wieder einer Schülerin den Hintern verdreschen, was für ein geiler Job!« Stattdessen wird ein Dilemma geschildert, welches darin besteht, …

»[…] dass die Züchtigung eines wohlgeformten weiblichen Gesäßes zu seinen sexuellen Neigungen zählte«.

»Aber die wöchentlichen Bestrafungen hatten nichts Sexuelles, wie er schnell festgestellt hatte. Das machte es ihm leichter, da er nicht gegen das Gefühl anzukämpfen hatte, die jungen Frauen zum Spielball seiner Gelüste zu degradieren.«

Und für Sätze wie diesen schätze ich diesen Roman. Denn auf diese Weise stellt er nicht nur eine sprachlich souverän erzählte Bestrafung dar, sondern greift insbesondere auch jene Fragen zu Würde, Verantwortung und Macht auf, die ein derartiges Szenario aufwirft. So verzeihe ich dem Text auch, dass die Glaubwürdigkeit in Details an einzelnen Stellen etwas holpert.

Viel zu sehr freue ich mich, eine Stecknadel im Heuhaufen der E-Spanking-Literatur gefunden zu haben. Denn H. R. Gérard beweist mit diesem Text sowohl schriftstellerisches Talent als auch Sensibilität, was das komplizierte Thema spielerischer Bestrafung betrifft. Somit ist das Buch nicht nur als sensibel ausgeschmückte, anregende Lektüre, sondern auch als differenzierter, authentischer Einblick unter die Oberfläche empfehlenswert.

Wie fang ich an?

Es gibt Menschen, die einvernehmliches Hintern Versohlen als Aspekt der Liebe und Erotik reizvoll finden. Zu diesem Menschen gehöre ich. Das ist so, solange ich denken kann.

Etwa genauso lange schon begleitet mich das Gefühl, dass in den Köpfen vieler Menschen ziemlich diffuse, einseitige und vor allen Dingen lieblose, hässliche oder gar befremdlich schmutzige Bilder zu diesem Thema existieren. Die Idee eines kleinen Blogs, der damit aus meiner persönlichen Sicht etwas aufräumt, finde ich schon mal ziemlich schön.

Als ich mir als Jugendlicher meiner Affinitäten bewusst wurde, fühlte ich mich erst mal richtig unwohl in meiner Haut. In Lexika las ich unter »Masochismus« oder »Fetischismus« über dunkle psychiatrische Diagnosen und fühlte mich als Opfer irgendwelcher Störungen, die hoffentlich von alleine vorübergehen und die man derweil lieber verheimlichen oder möglichst ganz unterdrücken sollte.

In all diesen Jahren war kein Medium on- oder offline in der Lage, mir das Gefühl zu geben: »Hey, dich erregen einvernehmliche Schläge auf den Po? Das ist nicht pervers. Das ist okay so. Und vor allen Dingen ist das kein Widerspruch zur Liebe.« Dieser mediale Mangel motiviert mich, hier eine Seite zu schaffen, die anderen Menschen, die in ihren Köpfen vielleicht ähnlich gestrickte Endorphin-Schaltkreise entdeckt haben, ein gutes, enttabuisierendes Gefühl vermitteln kann.

»Aber das Internet ist doch schon voll von Spanking-Seiten!?«

Oh ja. Der Großteil jedoch sind Sammlungen multimedialer Posts, oft aus dubiosen kommerziellen Quellen, die in erster Linie visuell anregen (sollen), wobei die Übergänge zur Pornografie natürlich teilweise fließend sind. Ich möchte das hier nicht werten. Doch inwieweit seitenweise verstriemte Popos der/dem Suchenden, Neugierigen oder Verunsicherten die Hand reichen und sagen »Liebe und Spanking, Zärtlichkeit, Wärme und spielerischer Schmerz schließen einander nicht aus«, wage ich zu bezweifeln.

Ich möchte mir nicht anmaßen, genau das hier schaffen zu können. Aber ich mag wenigstens versuchen, das Thema mit einem liebe- und respektvollen Licht zu beleuchten, aus meiner Sicht wertvolle Fundstücke zu teilen und auf diese Weise vielleicht ein Stück weit zu enttabuisieren.